Weinwissen: Kuriose und interessante Fakten rund um das Thema Wein
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Fakten über Wein: Geschichte, Tannine und richtiger Weingenuss
Wein begleitet die Menschheit bereits seit Jahrtausenden. Trotzdem gibt es rund um seine Geschichte, Herstellung und Lagerung noch viel zu entdecken.
Wo wurde der erste Wein hergestellt? Warum enthält Rotwein Tannine? Welche Trinktemperatur ist richtig? Und eignet sich Wein wirklich als Kapitalanlage?
In diesem Beitrag findest du spannende Fakten über Wein und praktische Tipps, mit denen du Weine besser verstehen, auswählen und genießen kannst.
Wein wird seit rund 8.000 Jahren hergestellt
Wein gehört zu den ältesten alkoholischen Getränken der Menschheitsgeschichte. Archäologische Untersuchungen von Tongefäßen aus dem heutigen Georgien lieferten Hinweise auf die Herstellung von Traubenwein bereits um 6.000 v. Chr.
Georgien gilt deshalb als eine der ältesten bekannten Weinregionen der Welt. Bis heute werden dort Weine traditionell in großen, eiförmigen Tonamphoren hergestellt. Diese Gefäße heißen Qvevri und werden häufig in der Erde vergraben.
Allerdings lässt sich kein einzelner Ort mit absoluter Sicherheit als „Geburtsort des Weins“ bestimmen. Archäologische Funde zeigen immer nur den bislang ältesten bekannten Nachweis – zukünftige Entdeckungen können dieses Bild verändern.
Welche Rolle spielten die Römer im Weinbau?
Die Römer haben den Weinbau in Europa nicht überall neu eingeführt. In Teilen Frankreichs und des Mittelmeerraums wurde bereits vor ihrer Herrschaft Wein erzeugt.
Sie trugen jedoch entscheidend dazu bei, den Weinbau:
- über große Gebiete zu verbreiten
- systematisch zu organisieren
- technisch weiterzuentwickeln
- zu einem bedeutenden Handelsgut zu machen
Mit der Ausdehnung des Römischen Reiches gelangte der Weinbau auch weiter nach Norden. Besonders entlang großer Flüsse entstanden Anbaugebiete, weil sich Wein und andere Waren dort leichter transportieren ließen.
In Deutschland entwickelte sich der Weinbau unter römischem Einfluss vor allem in Regionen an Mosel und Rhein. Viele heutige Weinlandschaften haben daher historische Wurzeln, die bis in die Römerzeit zurückreichen.
Deutschland ist international für Weißwein bekannt
Deutschland gehört zu den bedeutendsten Erzeugerländern für Weißwein. Etwa zwei Drittel der deutschen Rebfläche sind mit weißen Rebsorten bepflanzt.
Die wichtigste deutsche Rebsorte ist Riesling. Sie steht auf ungefähr einem Viertel der gesamten Rebfläche und genießt international einen hervorragenden Ruf.
Zu den bekannten weißen Rebsorten Deutschlands gehören:
- Riesling
- Müller-Thurgau beziehungsweise Rivaner
- Grauburgunder
- Weißburgunder
- Silvaner
- Sauvignon Blanc
Deutsche Weißweine sind ausgesprochen vielfältig. Je nach Rebsorte, Herkunft und Ausbau reichen sie von leicht und frisch bis zu kraftvoll, mineralisch und lange lagerfähig.
Was zeichnet deutschen Riesling aus?
Riesling besitzt häufig eine prägnante Säure und ein breites Aromenspektrum. Typische Aromen erinnern an:
- Apfel und Pfirsich
- Zitrusfrüchte
- Aprikose
- Kräuter
- mineralische Noten
Riesling kann trocken, feinherb oder edelsüß ausgebaut werden. Hochwertige Weine können über viele Jahre reifen und dabei zusätzliche Aromen entwickeln.
Wenn du deutschen Weißwein entdecken möchtest, lohnt sich neben Riesling auch ein Blick auf Grauburgunder, Weißburgunder und Silvaner.
Warum enthält Rotwein Tannine?
Tannine sind natürliche Gerbstoffe. Sie stammen hauptsächlich aus:
- den Traubenschalen
- den Kernen
- den Stielen
- dem Holzfass bei entsprechendem Ausbau
Bei der Rotweinherstellung bleibt der Most während der Gärung in Kontakt mit den festen Bestandteilen der Traube. Dabei werden Farbe, Aromen und Tannine gelöst. Weißwein wird meist ohne längeren Kontakt mit den Schalen vergoren und enthält deshalb in der Regel deutlich weniger Tannin.
Wie schmecken Tannine?
Tannine besitzen keinen klassischen Geschmack wie süß oder sauer. Sie erzeugen vielmehr ein trockenes, leicht zusammenziehendes Mundgefühl. Dieses Gefühl kennst du möglicherweise auch von starkem schwarzem Tee. Wenn du also den Flokati auf der Zunge schmeckst, kommt das von den Tanninen.
Besonders tanninreiche Rebsorten sind:
- Cabernet Sauvignon
- Nebbiolo
- Syrah
- Tannat
- Sangiovese
Merlot, Grenache oder Pinot Noir wirken häufig weicher, wobei Herstellung, Herkunft und Reifegrad ebenfalls eine große Rolle spielen.
Warum sind Tannine für die Lagerung wichtig?
Tannine können zur Struktur und Haltbarkeit eines Rotweins beitragen. Mit zunehmender Reife verbinden sich einzelne Gerbstoffe miteinander. Dadurch kann das Mundgefühl weicher und harmonischer werden.
Ein hoher Tanningehalt allein garantiert jedoch kein langes Lagerpotenzial. Auch Säure, Fruchtkonzentration, Alkohol, Verarbeitung und Lagerbedingungen müssen zusammenpassen.
Tannine besitzen zwar antioxidative Eigenschaften. Das bedeutet aber nicht, dass Rotwein deshalb als gesundes Getränk angesehen werden sollte. Der enthaltene Alkohol ist gesundheitlich relevant und sollte bei der Bewertung nicht ausgeblendet werden.
Welche Serviertemperatur ist für Wein richtig?
Die Trinktemperatur beeinflusst, wie wir Aromen, Säure, Süße, Alkohol und Tannine wahrnehmen.
Ein zu warmer Wein kann schwer und alkoholbetont wirken. Wird er zu kalt serviert, erscheinen seine Aromen schwächer und seine Struktur härter.
Als Orientierung eignen sich folgende Temperaturen:
- Schaumwein: etwa 6–9 °C
- leichter Weißwein: etwa 8–10 °C
- kräftiger Weißwein: etwa 10–13 °C
- Roséwein: etwa 8–12 °C
- leichter Rotwein: etwa 12–16 °C
- kräftiger Rotwein: etwa 16–18 °C
- edelsüßer Wein: etwa 8–12 °C
Die oft verwendete Empfehlung, Rotwein bei „Zimmertemperatur“ zu trinken, stammt aus einer Zeit, in der Wohnräume deutlich kühler waren. Bei heutigen Raumtemperaturen von über 20 °C sind viele Rotweine bereits zu warm.
Praktischer Tipp
Ein Wein erwärmt sich nach dem Einschenken relativ schnell. Serviere ihn deshalb im Zweifel ein bis zwei Grad kühler als die gewünschte Trinktemperatur.
Ist ein Rotwein zu warm, kannst du ihn für etwa 15 bis 30 Minuten in den Kühlschrank stellen. Das ist kein Stilbruch, sondern verbessert häufig den Genuss.
Beeinflusst das Weinglas den Geschmack?
Die Glasform verändert nicht den Wein selbst, wohl aber seine Wahrnehmung. Größe, Öffnung und Form des Glases beeinflussen, wie sich die Aromen sammeln und wie der Wein auf Zunge und Gaumen trifft.
Ein größeres Rotweinglas bietet kräftigen Weinen mehr Kontakt mit Sauerstoff. Ein schmaleres Weißweinglas kann Frische und Duft konzentrieren.
Für den Alltag benötigst du trotzdem nicht für jede Rebsorte ein eigenes Glas. Zwei gute Grundformen reichen meistens aus:
- ein mittelgroßes Glas für Weißwein und Rosé
- ein größeres, bauchigeres Glas für Rotwein
Wichtiger als ein teures Spezialglas ist ein sauberes, geruchsfreies und ausreichend dünnwandiges Glas.
Schmeckt jeder Weinjahrgang anders?
Auf einem Weinetikett bezeichnet der Jahrgang das Jahr, in dem die Trauben geerntet wurden.
Wetter und Klima beeinflussen unter anderem:
- Reife und Zuckergehalt der Trauben
- Säurestruktur
- Aromaentwicklung
- Erntemenge
- Gesundheitszustand der Trauben
Deshalb können sich verschiedene Jahrgänge desselben Weins deutlich unterscheiden. Ein warmer Jahrgang bringt häufig reifere Frucht und mehr Fülle hervor. Ein kühlerer Jahrgang kann frischer, leichter und säurebetonter wirken.
Der Jahrgang allein entscheidet jedoch nicht über die Qualität. Erfahrene Winzer können auch unter schwierigen Bedingungen sehr gute Weine erzeugen. Umgekehrt ist nicht jeder Wein aus einem hoch bewerteten Jahrgang automatisch hervorragend.
Kann Wein eine Kapitalanlage sein?
Bestimmte Weine können im Wert steigen. Dazu gehören vor allem seltene und international gehandelte Weine renommierter Produzenten aus Regionen wie Bordeaux, Burgund, Champagne oder der Toskana.
Für die mögliche Wertentwicklung sind insbesondere folgende Faktoren wichtig:
- Ruf des Weinguts
- Bewertung und Qualität des Jahrgangs
- Produktionsmenge und Verfügbarkeit
- belegbare Herkunft der Flasche
- professionelle Lagerung
- Zustand von Flasche, Etikett und Füllstand
- Nachfrage auf dem internationalen Markt
Die unbequeme Wahrheit: Die meisten Weine sind keine geeignete Kapitalanlage. Kaufpreis, Lagerkosten, Versicherung, Verkaufsgebühren und Fälschungsrisiko können eine mögliche Rendite erheblich reduzieren.
Wer Wein hauptsächlich als Investment kauft, benötigt Marktkenntnisse, eine dokumentierte Lagerung und Zugang zu seriösen Handelsplattformen. Für die meisten Weinfreunde ist es sinnvoller, Wein in erster Linie zum Genießen zu kaufen.
Wie viele Rebsorten gibt es weltweit?
Weltweit existieren Tausende verschiedene Rebsorten. Häufig ist von mehr als 10.000 bekannten Sorten die Rede. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil davon wird jedoch in größerem kommerziellem Umfang angebaut.
Viele Sorten sind lediglich regional verbreitet. Gerade diese autochthonen Rebsorten machen die Weinwelt besonders vielfältig.
Beispiele sind:
- Assyrtiko aus Griechenland
- Furmint aus Ungarn
- Mencía aus Spanien
- Xinomavro aus Griechenland
- Timorasso aus Italien
- Savagnin aus dem französischen Jura
Wer regelmäßig neue Rebsorten probiert, entdeckt häufig spannendere Unterschiede als beim Vergleich ähnlich ausgebauter Weine derselben bekannten Sorte.
Weitere überraschende Fakten über Wein
Wein enthält zahlreiche Aromaverbindungen
Im Wein wurden Hunderte flüchtige Verbindungen nachgewiesen, die seinen Duft und Geschmack beeinflussen. Viele Aromen entstehen erst während Gärung, Ausbau und Reifung.
Wenn ein Wein nach Kirsche, Vanille oder Leder duftet, wurden diese Zutaten normalerweise nicht zugesetzt. Unser Gehirn verbindet bestimmte Aromaverbindungen mit bekannten Gerüchen.
Alte Reben liefern nicht automatisch besseren Wein
Alte Reben können geringere Erträge und konzentrierte Trauben hervorbringen. Das Alter allein garantiert jedoch keine hohe Qualität. Lage, Pflege, Ertrag, Rebsorte und Arbeit des Winzers bleiben entscheidend.
Die Farbe verrät nicht immer das Alter
Rotwein wird mit zunehmender Reife häufig heller und entwickelt ziegelrote oder bräunliche Töne. Weißwein kann dagegen dunkler und goldener werden.
Die Farbe liefert Hinweise auf Alter und Ausbau, erlaubt aber keine sichere Qualitätsbewertung.
Teurer Wein schmeckt nicht automatisch besser
Der Preis eines Weins hängt nicht nur von seiner sensorischen Qualität ab. Auch Seltenheit, Markenbekanntheit, Produktionskosten, Bewertungen und Nachfrage beeinflussen ihn.
Ein günstigerer Wein kann dir daher besser schmecken als eine berühmte und wesentlich teurere Flasche.
Wie kannst du dein Weinwissen praktisch erweitern?
Theorie hilft – am meisten lernst du jedoch durch bewusstes Vergleichen.
Eine kleine Vergleichsprobe könnte beispielsweise enthalten:
- Riesling und Grauburgunder
- Pinot Noir und Cabernet Sauvignon
- deutschen und französischen Sauvignon Blanc
- jungen und gereiften Rotwein
- im Stahltank und im Holzfass ausgebauten Wein
Notiere dir bei jedem Wein:
- Farbe
- Duft
- Geschmack
- Säure
- Tannin
- Körper
- persönlichen Gesamteindruck
Du musst dabei keine komplizierte Weinsprache verwenden. Begriffe wie frisch, weich, kräftig, fruchtig oder würzig reichen zunächst vollkommen aus.
Weinpakete zum Kennenlernen verschiedener Stile
Ein thematisch zusammengestelltes Weinpaket kann dir den direkten Vergleich erleichtern. Besonders sinnvoll sind Pakete nach:
- Rebsorte
- Weinregion
- Geschmacksrichtung
- Speisenbegleitung
- Anlass
- Ausbauart
Entscheidend ist, dass die enthaltenen Weine einen nachvollziehbaren Vergleich ermöglichen. Eine zufällige Zusammenstellung unterschiedlicher Flaschen ist zwar abwechslungsreich, vermittelt aber deutlich weniger Weinwissen.
Fazit: Weinwissen verbessert die Auswahl und den Genuss
Je mehr du über Herkunft, Rebsorten, Herstellung und Serviertemperatur weißt, desto gezielter kannst du einen passenden Wein auswählen.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Fachbegriffe zu kennen. Entscheidend ist, deinen eigenen Geschmack zu verstehen und Unterschiede bewusst wahrzunehmen.
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